In der Verbindungstechnik gibt es ein Phänomen, das lange unbemerkt bleibt, aber schwerwiegende Folgen haben kann: die Wasserstoffversprödung. Sie ist mit bloßem Auge nicht erkennbar – zeigt ihre Wirkung jedoch plötzlich und ohne Vorwarnung durch Bauteilversagen.

Was versteht man unter Wasserstoffversprödung?

Während bestimmter Fertigungs- und Oberflächenprozesse, wie etwa Galvanisieren, Beizen oder Reinigen, kann atomarer Wasserstoff in den Stahl eindringen. Dieser lagert sich an Versetzungen, Korngrenzen und anderen Gitterfehlstellen des Materials ein.

Die Folge: Der Werkstoff verliert an Zähigkeit und Duktilität. Es kann zu spröden, häufig zeitverzögerten Brüchen kommen, selbst bei Bauteilen, die zunächst unauffällig erscheinen.

-hochfeste Schrauben (ab Festigkeitsklasse 10.9)

-feingewindige Verbindungselemente

-Bauteile, die dauerhaft oder zyklisch auf Zug beansprucht werden

Maßnahmen zur Risikominimierung

Um das Risiko von Wasserstoffversprödung zu reduzieren, sind gezielte präventive Maßnahmen entscheidend:

-Durchführung einer Wasserstoffentsprödung durch Wärmebehandlung nach galvanischen Prozessen (typischerweise bei ca. 200 °C über mehrere Stunden, abhängig von Werkstoff und Bauteilgeometrie)

-Einsatz wasserstoffarmer oder wasserstofffreier Fertigungsverfahren

-Sorgfältiger Umgang mit Säuren, Reinigungsmitteln sowie eine korrekte Einstellung von Beschichtungs- und Vorbehandlungsprozessen

Eine bewusste Prozessauswahl und konsequente Qualitätssicherung sind entscheidend, um die Sicherheit und Zuverlässigkeit hochbeanspruchter Schraubenverbindungen langfristig zu gewährleisten.